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Mein erster Tag bei den syrischen Asylanten in Lengenfeld

Oh Gott, dachte ich bei mir, als ich von der hohen Zahl von zunächst 23 jungen syrischen männlichen Asylsuchenden hörte, die bei uns in unserem ruhigen, kleinen Dorf einquartiert werden sollten. Wie wird sich unser dör?iches Bild bald verändern? Was, wenn noch mehr kommen? Was sind das für Leute? Wie lange werden Sie bleiben? Muss ich mich fürchten vor ihnen, vor deren Kultur, die uns so sehr fremd ist? Werden wir jetzt in unserem friedlichen Dorf befürchten müssen, das sich kriminelle Wesen herumtreiben, die vielleicht auch Jagd auf uns Frauen machen? Ich will hier keine Islamisierung! Ich will hier weiter in Frieden leben. Was kommt da auf uns zu? Also habe ich beschlossen mir diese Männer erst mal anzuschauen. Um mehr über sie in Erfahrung zu bringen ohne mich in „ Gefahr „ begeben zu müssen, bin ich dem Helferkreis beigetreten. So bin ich nicht allein. Das Rote Kreuz und die vielen freiwilligen Helfer machten mir Mut. Und so kam es, dass ich nach einiger Zeit mit gemischten Gefühlen an der Türe klopfte oberhalb des Tankhofes, um diese Männer kennen zu lernen. Sofort wurde mir die Türe geöffnet und ich war von neugierigen jungen Männern umgeben, die mir einen Platz zuwiesen und mir sogleich einen Tee anboten. Wir unterhielten uns lange und ich lernte sie als freundliche, hö?iche auch gebildete junge Menschen kennen, die mir mehrmals ihre Dankbarkeit über die freundliche Aufnahme in unserer Dorfgemeinschaft bekundeten. Mein erster Tag und die Begegnung mit diesen Flüchtlingen hat mir all meine Befürchtungen genommen. Später habe ich erfahren, dass einige unter ihnen Familie mit kleinen Kindern haben, die sie zurücklassen mussten. Die meisten wollen schnellstmöglich wieder in ihre Heimat zurück, was leider noch dauern kann. Um möglichst schnell die deutsche Sprache sprechen zu können, lernen sie mit unserer Hilfe ?eißig und werden auch von Deutschlehrern unterrichtet. Gerne würden sie sich in die Dorfgemeinschaft einbringen, aber dazu müssen sie erst mal Deutsch lernen. Ich bin froh, dass ich diese syrischen Flüchtlinge kennen gelernt habe, denn jetzt brauche ich keine Angst von diesen fremden Menschen mehr zu haben. Es macht mir Freude Ihnen etwas zu geben, denn ich bekomme auch viel zurück. Hoffentlich wird das mit den vielen anderen, die noch in unsere Dorfgemeinschaft kommen werden, ähnlich sein. Aber auch die will und muss ich kennen lernen, denn nur so kann ich ohne Angst hier leben.

Andrea Zolyomi-Brudler