Drucken
Deutschunterricht für unsere Syrer in Lengenfeld

Seit Anfang November erhalten unsere syrischen Asylbewerber in Lengenfeld regelmäßig Sprachunterricht. Wir Deutschlehrer rekrutieren uns aus dem Helferkreis Asyl Pürgen und sind unterschiedlich qualifiziert, weisen Grundschul- bis Gymnasialerfahrung auf und können daher unterschiedliche Gruppen begleiten. Unsere „Schüler“ sind mit großem Eifer bei der Sache und bereits nach diesen wenigen Wochen lassen sich schon kleine Konversationen mit den jungen Männern führen. Einige von ihnen können sich bereits recht gut selbst vorstellen, über ihre Familie erzählen, ihren Fluchtweg beschreiben und vieles mehr. Auch die Einkäufe sind nun kein unüberwindliches Problem mehr. An Weihnachten konnten die jungen Syrer sogar mit uns „Stille Nacht, heilige Nacht“ singen, auch wenn, zugegebener Maßen, der „holde Knabe im lockigen Haar“ nicht unbedingt zu ihrem Wortschatz gehören muss.
Für uns Deutschlehrer ist die Aufgabe nicht ganz einfach; keiner von uns kann auch nur ein Wort arabisch, geschweige denn, dass wir die Schriftzeichen lesen können. Für alle, die es nicht wissen: Arabisch schreibt man von rechts nach links, es gibt keine Groß- und Kleinschreibung, entscheidend ist, an welcher Stelle der Buchstabe im Wort steht. Es gibt die Anfangsposition, die Mitte, das Ende, und der Buchstabe sieht jeweils anders aus. Wichtig sind die Punkte und Striche über und unter den Buchstaben, nur so lassen sie sich überhaupt unterscheiden.
Das Arabische ist eine Konsonantenschrift, das heißt, kurze Vokale werden nicht mitgeschrieben. Hier ein kleines Beispiel:
Asyl arabisch
(Ein naher Freund ist besser als ein ferner Bruder: as-sahib al-qarib afdal min al-ach al-ba'id)
Wir sind alle sehr froh, diese komplizierte Sprache nicht lernen zu müssen!
In der Gruppe unserer Syrer sind nur zwei Personen, die nicht alphabetisiert sind, das heißt, sie kennen die lateinischen Buchstaben nicht. Die meisten sind zumindest halbwegs in der Lage unsere Schrift zu lesen, einige wenige sprechen exzellent englisch. Doch auch für diese Gruppe ist der Zugang zur deutschen Sprache mühsam.
Die Verwendung von der, die, das ist ein ganz großes Problem (für jeden Ausländer!), entzieht sich das doch jeglicher Logik. Und warum zählt man eins, zwei, drei und doch heißt es ein Apfel und nicht eins Apfel? Diese und viele andere Probleme lösen wir fünf Mal die Woche, jeweils in unterschiedlichen Leistungs-gruppen, und wir kommen recht gut voran. Seit kurzem können wir auch ein Lehrbuch für Deutsch als Fremdsprache einsetzen, das mit einer CD auch das Hörverständnis schult und es den Männern ermöglicht, auch außerhalb des Unterrichts schreiben und lesen angeleitet zu üben. Demnächst können wir dank des bewundernswerten Einsatzes unserer IT-Spezialisten aus dem Helferkreis sogar online am PC arbeiten. Freundlicherweise dürfen wir ein Klassenzimmer in der Grundschule Lengenfeld nutzen; die Buchstabentabelle der Erstklässler leistet uns dort große Hilfe. Vielen Dank an Herrn Bannert und unseren Bürgermeister, die uns die Nutzung eines Raumes in der Grundschule ermöglichten, und an Herrn Straus, der dafür sorgte, dass wir auch in den Ferien dort nicht frieren mussten!

Gabi Götz-Rechenberger


Asyl deutsch

 

Eifrig und konzentriet lernen die Asylbewerber Deutsch